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PARTNERWESEN DES MANNES Meppen: Muna Tarari zur Rolle der Frauen im Islam


In ihrem Vortrag ging sie auf die Chancen und Grenzen einer frauenbefreienden Koranauslegung ein. Organisiert wurde die Veranstaltung von KIM – Kirche in Meppen vor rund 100 Zuhörern in der Aula des Gymnasiums Marianum.

Junior Professorin

Muna Tatari, dessen Vater aus Syrien stammt, wurde in Hamburg geboren, studierte Islamwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Missions-, Ökumene -und Religionswissenschaft in Hamburg und Jordanien. Sie ist Junior Professorin und Leiterin des Seminars für Islamische Theologie an der Universität Paderborn. Anfang des Jahres wurde sie zudem in den Beirat für den islamischen Religionsunterricht an nordrhein-westfälischen Schulen berufen. Wichtig ist ihr der islamisch-christliche Dialog.

Koran zentrale Quelle

In ihrem wissenschaftlichen Vortrag ging sie zunächst auf den wichtigen Schritt der sorgfältigen Analyse von Texten und Quellen ein. Neben der Lebenspraxis des Propheten (Sunna) ist der Koran die zentrale Quelle der islamischen Lehre. Es muss immer berücksichtigt werden, wann der Text entstanden ist, wer ihn geschrieben hat, und welchen Zusammenhang es damals gab und heute gibt, berichtete Tatari.

Zweifel an Echtheitn einiger Texte

Kritische Analysen haben bewiesen, dass es in bestimmten Fällen begründete Zweifel an der Echtheit einiger Texte gibt, und zwar aufgrund des jeweiligen Überlieferers. Im Besonderen ging es hier um Texte, in denen Frauen „an den Rand der Gesellschaft“ gedrängt wurden und dadurch nur wenig am wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilhaben konnten.
Die Aussage: „Das steht so im Koran“, ist zum Teil theologisch problematisch, sagte Tatari. Es würde bedeuten, Gottes Wort abschließend erkannt zu haben und damit die Autorität zu besitzen, das Bemühen um Verstehen beenden zu können. Die Mehrheit der islamischen Exegeten in Geschichte und Gegenwart gehe davon aus, dass Texte an sich nie abschließend erschlossen sein können, eine neue Interpretation sei möglich.
Verse, die Frauen-benachteiligende Interpretationen enthalten, betreffen häufig die Mehrehe, das Erbrecht und Scheidungsmöglichkeiten.

Gleichwertige Verhältnisse

Muna Tatari sprach weiterhin von der Vorstellung eines gerechten Gottes, der gerechte und gleichwertige Verhältnisse für Männer und Frauen möchte. Im Koran 4,1 (Übersetzung: Titus Burkhart) heißt es: „aus diesem erschuf er ihm die Gefährtin (zauğ). Das ist im Grunde ein geschlechtsneutraler Begriff und gleichbedeutend mit Partnerwesen, sagte Tatari.
Eine Frauen-befreiende Leseart des koranischen Textes und der Überlieferung kann in Loyalität zur Tradition und mittels einer sorgfältigen Anwendung klassischer Methoden weiter tragen als gemeinhin vermutet, ließ Muna Tatari an diesem Abend erkennen.

Islam und Gewalt

Der nächste und letzte Themenabend dieser Vortragsreihe findet am 31. August um 19 Uhr im Gymnasium Marianum statt. Zum Thema: Der Islam und die Legitimation von Gewalt – Ordnung oder Anarchie äußert sich Ahmed Abd-Elsalam von der Universität Münster.

(Quelle https://www.noz.de/lokales/meppen/artikel/895359/meppen-muna-tarari-zur-rolle-der-frauen-im-islam)

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